Frage: Herr Ottersbach, Sie sind Experte in der Kunststoffbranche und für Plasticon tätig, was sind dort Ihre genauen Aufgaben?
W. Ottersbach: Ich bin mittlerweile 73 Jahre alt und von daher eigentlich schon seit längerem Rentner. Nach wie vor bin ich aber sehr interessiert an der Berufswelt und somit immer noch an 3 bis 4 Tagen pro Woche in der Firma. Ungefähr 99% meiner Arbeitszeit bin ich im Bereich Ausbildung tätig.
In welchen Berufen bilden Sie aus?
W. Ottersbach: Wir bilden zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff-/ Kautschuktechnik aus. Im Grunde genommen ist das genau der Beruf, den auch ich erlernt habe, ich trage lediglich noch den alten Titel.
Seit wann gehört die Betreuung der Auszubildenden zu Ihren Aufgaben?
W. Ottersbach: Schon ewig! Die meisten Angestellten im Betrieb haben bei mir gelernt. Insgesamt bin ich schon seit 25 Jahren als Ausbilder tätig.
Wie würden die Auszubildenden Sie beschreiben?
W. Ottersbach (überlegt lange): Das müssten Sie wohl die Auszubildenden fragen. Vermutlich werde ich als sehr streng empfunden. Aber ich interessiere mich sehr für die Jugendlichen. Ich weiß ganz genau, aus welchem Elternhaus sie stammen und ob Probleme vorliegen. Durch meine Art haben aber auch alle (!), die bei mir in der Ausbildung waren, ihren Abschluss erfolgreich absolviert. Nur ein einziger davon musste seine Ausbildung um ein halbes Jahr verlängern, weil die Probleme im theoretischen Bereich zu groß waren.
Wie haben Sie Ihre eigene Ausbildungszeit erlebt?
W. Ottersbach: Ich habe als 15-jähriger meine Ausbildung bei Dynamit Nobel in Troisdorf begonnen. Die Ausbildung hat schon damals insgesamt 3 Jahre gedauert. Einer meiner Ausbilder war sehr streng, ein richtig harter Knochen. Dafür habe ich aber auch sehr viel von ihm gelernt.
Wie schätzen Sie die heutige Ausbildungssituation der Jugendlichen ein?
W. Ottersbach: Teilweise empfinde ich es so, dass die Jugendlichen im schulischen Bereich nicht mehr so gut ausgebildet sind. Manchmal verfügen sie wirklich nur über ein minimales Wissen. Das ist natürlich nicht bei allen so! Aber doch schon bei einigen. Die Einstellung der Jugendlichen von heute ist auch ganz anders geworden. Ein Ausbilder hat heute nicht mehr so eine „Macht“ über seinen Auszubildenden, wie das bei uns früher der Fall war. Wir sind „gesprungen“, wenn uns der Chef was sagte. Heute muss man ganz schön viel diskutieren und die jungen Männer erscheinen mir manchmal etwas verweichlicht. (lacht)
Wie sind Sie auf die Ausbildungsbegleitenden Hilfen (AbH) des IMBSE aufmerksam geworden?
W. Ottersbach: Das Berufskolleg hat mir Ihre Infobroschüre mitgegeben. Seit dem 18.01.2007 kommen zwei unserer Auszubildenden zu Ihnen in die Ausbildungsbegleitende Hilfe und seit August letzen Jahres kommen zwei weitere Auszubildende regelmäßig zu Ihnen. Bei den beiden haben wir direkt zu Beginn ihrer Ausbildung festgelegt, dass Sie Ihr Förderangebot in Anspruch nehmen, da wir sonst von den schulischen Leistungen her Bedenken gehabt hätten.
Welche Vorteile ergeben sich durch die AbH für die in Ihrem Betrieb durchgeführten Berufsausbildungen?
W. Ottersbach: Hauptsächlich ergeben sich ja Vorteile für unsere Auszubildenden. Hier können sie ihre theoretischen Kenntnisse in einer kleineren Fördergruppe aufbessern. Die Teilnahme ist ja im Grunde genommen freiwillig. Da die Maßnahme aber von der Agentur gefördert wird, kontrolliere ich die Anwesenheit meiner Auszubildenden schon sehr genau!
Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit der Dozenten und der Pädagogen des IMBSE mit Ihrem Unternehmen ein?
W. Ottersbach: Gut! Das war sie immer!
Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit des IMBSE mit den Auszubildenden ein?
W. Ottersbach: Meine Auszubildenden sagen mir, dass es sich auf jeden Fall lohnt, das Angebot der Ausbildungsbegleitenden Hilfe anzunehmen.
Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit des IMBSE mit den Berufsschullehrern ein?
W. Ottersbach: Die Klassenlehrer begrüßen die AbH-Maßnahmen sehr. Wir wissen ja, dass diese mit Ihnen im telefonischen Kontakt sind. Da wir von Ihnen regelmäßig die Lernstände unserer Auszubildenden erfahren, können wir diese ja auch mit der aktuellen Einschätzung des Klassenlehrers vergleichen. Hierüber gebe ich dann auch wieder meinen Auszubildenden Rückmeldung.
Welche Verbesserungsvorschläge haben Sie?
W. Ottersbach: Ich hätte gerne, dass mir mitgeteilt wird, ob meine Auszubildenden immer pünktlich zum Unterricht erscheinen. Das könnte man in einem Unterrichtsnachweis schriftlich festhalten. Das Angebot der AbH ist ja prinzipiell freiwillig, dennoch möchte ich gefragt werden, wenn meine Auszubildenden mal gerne unterrichtsfrei haben wollen - wie z.B. wegen des Fußballspiels Deutschland gegen Kroatien heute Abend.
Welchen Unternehmen würden Sie die AbH des IMBSE weiterempfehlen?
W. Ottersbach: Prinzipiell allen Unternehmen, mit denen wir von Plasticon aus zusammenarbeiten und mit denen ich aus diesem Grunde auch persönlich zu tun habe. Diese Firmen sind jedoch in Viersen, da ist dann ein anderer Träger für zuständig.
Welchen Tipp möchten Sie an dieser Stelle Auszubildenden auf den Weg geben?
W. Ottersbach: Ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Ausbilder und Auszubildenden ist absolut wichtig. Sie sollten niemals die Motivation verlieren, daran zu arbeiten!
Weitere Informationen über den Ausbildungsbetrieb im Netz unter
http://www.plasticoneurope.com/index.php/DE/239

